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Alles über Damaszenerstahl

entnommen dem Buch von Manfred Sachse
Verlag für neue Wissenschaften GmbH Bremerhaven
ISBN 3-89429-138-9

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Abschliffstadien

Durch kontinuierliches Abschleifen verändern sich beim Damaszenerstahl die Muster. Besonders stark fällt dies bei den tordierten Damastarten ins Gewicht. Bei den wilden Damastsorten wird durch schräges Anschleifen das Bild erst interessant und lebhaft.
 

Abziehbilder

Beim zusätzlichen Dekorieren von Damaststahl benutzt man zum Teil durch Umdruck auf Seidenpapier entstandene Abziehbilder, die einen Aufdruck eines noch klebrigen Abdeckmittels haben. Diese Abziehbilder können aufgerieben werden, und das Seidenpapier wird durch Anfeuchten mit Wasser entfernt.
 

Ätzdekor

Bei Klingen und besonders bei Damaszenerklingen war es in Europa (19.-20. Jahrhdt.) sehr beliebt, diese durch Ätzdekor zu verschönern.
Dieses Ätzdekor, in Solingen auch Damaszierung genannt, ist oft zusätzlich vergoldet und gebläut. Im 18. Jahrhundert beginnt die Ätzdekorierung auf Klingen mit Strichätzung in Radiertechnik. Im 19. Jahrhundert wird die Drucktechnik (Lithographie) eingesetzt, um Abziehbilder herzustellen, die das Ätzdekorieren vereinfachten.
Von Hand wurde das sog. Schattieren gemacht, eine Linienzeichnung oder Strichlagen (Schatten) auf eine erhaben stehengebliebenen Ätzfläche. Heute wird bei der Ätzdekoration auch der Siebdruck eingesetzt.
 

Ätzen

ist schon lange bekannt. Schon Albrecht Dürer stellte Eisenradierungen her. Die meisten alten Beispiele für Ätzungen auf Eisen kennen wir von den ätzdekorierten Harnischen.
Ätzmittel sind organische oder anorganische Säuren. Bei den organischen Säuren sind am bekanntesten die Obstsäuren und hier wieder die Zitronensäure (Saft von Lemonen). Heute werden meist anorganische Säuren zum Ätzen verwendet.
Für die Hoch- und Tiefätzung auf Eisen spielt die Salpetersäure (HNO3) die größte Rolle.
Um den Schweißdamast sichtbar zu machen, bedient man sich der Schwefelsäure (H2SO4).
Unter der Salzlösung spielt Eisenchlorid die größte Rolle. Eisenchloridlösung kann besonders gut bei der Strichätzung eingesetzt werden.
 

Agricola

Georg; 1494 - 1555; berühmt durch sein Werk "Vom Berg- und Hüttenwesen". Agricola ist der bedeutendste Erforscher des mittelalterlichen Berg- und Hüttenwesens. Sein Werk ist besonders interessant durch seine große Zahl an hervorragenden Holzschnitten. Heute gibt es die "Georg-Agricola-Gesellschaft zur Förderung der Geschichte der Naturwissenschaften und der Technik".
 

Al dimaschqi

= aus Damaskus; Al bedeutet "aus"; bei orientalischen Damastsorten hat man häufig Bezeichnungen, di mit al beginnen (al Basri = aus Basra, al Hindi = aus Indien).
 

Al Kindi

Arabischer Autor; 9. Jahrhdt. n. Chr.; berichtete, daß fränkische und nordische Schwerter im Orient hochgeschätzt wurden.

Alter

des Damaststahls; Der Schweißverbundstahl kann mit Sicherheit schon 500 v. Chr. nachgewiesen werden (La Téne). Schon in der späten Römerzeit kann man von technisch ausgereiften Damaszenerschwertern sprechen. Den Wootzstahl kann man erst ab dem 14. - 15. Jhdt. nachweisen; die schönsten Wootzstahlsorten sind aus dem 17. - 18. Jhdt. In anderen Ländern kommt der Damaststahl nicht früher vor als zu den hier genannten Daten, z.B. in Japan oder Indonesien. Selbstverständlich muß eingeräumt werden, daß dies der Stand der augenblicklichen Forschung ist.
 

Anätzen

Damaszenerstahl wird in der Regel - um die Maserung sichtbar zu machen - mehr oder weniger stark angeätzt. Dieser Vorgang nennt sich in Solingen "den Damast ausziehen". Bei den Schweißdamasten hat sich für diese Arbeit die chemisch reine Schwefelsäure bewährt, ca. auf 30 % verdünnt; meist wird diese verdünnte Säure siedend heiß benutzt. Für den orientalischen Wootz ist das Schwefelsäureverfahren nicht geeignet. Bei Wootz werden sehr stark verdünnte Säuren benutzt, zum Teil etwa 1%ig. Ein altes Ätzmittel für Wootz ist Zamk.
 

Angel

Bei Degen- und Säbelklingen des 19. - 20. Jhdt. findet man die sog. Angelstempel oder Angelzeichen. Diese Zeichen sind für den Träger einer Blankwaffe unsichtbar. Bei Damastklingen kann man feststellen, welcher Schmied die Klinge gefertigt hat; ein häufig vorkommendes Zeichen ist M+D= Max Dinger.
 

Anossow

Pawel Pioztowicz, General-Major; war Direktor der Slatouster Hütte; hat sich in der 1. Hälfte des 19. Jhdt. um die Erforschung des indischen Stahls (Wootz) sehr verdient gemacht; entwickelte den russischen Wootz "Bulat" und veröffentlichte seine Erfahrungen unter anderem im Gomy Journal 1841.
 

Anstee

John W.;Veröffentlichungen über Damast-
schwertern, u. a.: "The Forging of a Pattern - welded Sword in H. R. Ellis Davidson", "The Sword in Angl-Saxon", England, Oxford, 1962.
 

Arsen

kommt in Indonesien als verwittertes Auri-
pigment vor. Dieses Arsenoxyd wird pulverisiert und mit dem Saft der Lemonen vermischt. Diese Mischung wird nun als Ätzmittel für Krise benutzt. Durch den entstehenden metallischen Arsenniederschlag sind die Klingen tiefschwarz bis auf die freibleibenden nickelhaltigen Adern.
Weiter hat man Arsen als Eisenarsenlegierung in Schweißnähten gefunden (z.B. bei Kettenbrücken in Nepal). Die Eisenarsen-
legierung senkt die Schweißtemperatur.
 

Assad Ullah

Sagenhafter Schmied aus Persien; war angeblich der Leibschmied Schah Abbas des Großen (1585 - 1627). Die Signatur Assad Ullahs befindet sich auf vielen Wootz Shamshir-Klingen. Leider lassen sich mögliche Original- von Signaturgefälschten Klingen kaum unterscheiden.
 

Auripigment

arsenhaltiges Mineral; wird zum Ätzen und Färben von Krisklingen benötigt; indonesischer Name = warangan.
 

Ausrecken

Das in die Länge Schmieden eines Damastpaketes zu einer Stange oder Klinge im Gegensatz zum Breiten.
 

Ausschmieden

eines Rohdamaststückes zu fertigen Klingen, Läufen, usw. Das Schmieden erfolgt in allen Richtungen; eventuell auch Gesenkschmieden.
 

Ausziehen

Solinger Fachbegriff für das Sichtbarmachen des Damastmusters durch Säure.
 

Ayasugi Hada

Damastmuster bei japanischen Klingen; besonders angewendet von Gassan. Ayasugi Hada hat Ähnlichkeit mit dem europäischen Banddamast Solinger Machart. Das Muster entsteht durch Wegmeißeln von kleinen Mulden in regelmäßigen Abständen bei der Rohklinge.